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„Garagenbands – Songwriting & Bandplaying“

Dokumentation des Workshops „Garagenbands – Songwriting & Bandplaying” an der Universität Liechtenstein, 10.-15. September 2012

von Claudia Nentwich

 

Im Mai 2012 wurde ich von der Universität Liechtenstein eingeladen, einen einwöchigen Workshop mit dem Titel „Garagenbands – Songwriting & Bandplaying“ zu leiten. Die Universität Liechtenstein lädt jedes Jahr internationale Designer, Künstler und GestalterInnen aus verschiedensten Bereichen für sogenannte Kompaktprojekte ein. Den StudentInnen soll in einem einwöchigen Workshop die Gelegenheit gegeben werden einen Perspektivwechsel zu vollziehen und in einem „produktiven Ausnahmezustand“ Erfahrungen zu machen, die über das Feld des Architektonischen hinausgehen. In diesem Jahr war der Themenschwerpunkt Social Design, unter dem Stichwort „Senden + Empfangen“.

Die Vorbereitung war für mich deshalb schwierig, weil ich nicht wusste, auf welche musikalischen Vorkenntnisse ich aufbauen sollte. In nur einer Woche aus einer Gruppe von 14 StudentInnen (Architektur und Wirtschaftswissenschaften aus Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Spanien, der Slowakei und Korea) Bands bilden, die jeweils einen Song zusammen schreiben und am Ende der Woche aufführen. Kann das überhaupt funktionieren?

Foto: Claudia Nentwich

                                                                                                                                                                                                                                      

Tag 1 – Trust the Student

Wir sehen uns zum ersten Mal in der Aula nach der Einführung des Deans in die Kompaktwoche. Projiziert an die Wand hinter ihm: Fail forward und have fun! Die Dozenten werden vorgestellt und auf die Bühne gerufen. Die StudentInnen sind auf 16 Work­shops[1] (z.B. Upcycling, Poetry Slamming, Tanz, Schattentheater) verteilt. Dann geht es los! Meine Gruppe schart sich schnell um mich, die StudentInnen scheinen sich auch untereinander kaum zu kennen. Nachdem wir einen Raum gefunden haben, der uns gefällt (Raum ist wichtig!) und der Feststellung, dass wir vier nicht deutsch sprechende StudentInnen haben und deshalb die Woche über Englisch sprechen werden, beginne ich mit einer kurzen Vorstellung meiner Person und meiner Vision dieser Woche: Wir schaffen einen geschützten Raum für Experimente, in dem sich alle spielerisch ausprobieren können. Wir wollen Spaß haben. Wir gehen respektvoll miteinander um. Dann möchte ich wissen, warum die StudentInnen Musik machen und was ihre Erwartungen für die Woche sind:

“Music makes me high”

“One week of music”

“I forget about everything”

“I want to have fun”

“I am in a different world then”

“Learn from each other”

“Music helps me to cope with stress”

“Sex, Drugs & Rock´n´Roll”

“I want to meet people”

“Music makes me feel good”

“Learn how to write proper songs”

“Music makes me happy”

“Music is in me”

Nach der Bitte einen Fragebogen auszufüllen, den ich vorbereitet habe, um mir ein Bild über das musikalische Level der Gruppe zu machen, schlage ich eine Vorstellungsrunde mit Instrumenten, A-Capella-Gesang oder Trommeln auf den Tisch vor. Ich mache den Anfang und spüre, während ich singe und Gitarre spiele, dass sich die Atmosphäre verändert – die nervöse Energie verwandelt sich in ein kollektives Atemanhalten und Aufmerksamkeit. Hier beginnt die Umsetzung endlich, sowohl die StudentInnen als auch ich können endlich das tun, was uns so wichtig ist und was nur in der Umsetzung und nicht im Reden darüber gelingt – Musik machen! Zu meiner großen Freude tragen alle in der Gruppe etwas vor, ohne zu viele Worte oder großen Widerstand und alle StudentInnen scheinen von den Präsentationen der anderen beeindruckt zu sein.

Der erste und wichtigste Schritt ist gemacht, wie das anschließende Speed-Dating beweist, bei dem die StudentInnen sich in Bands finden sollen. Eine sehr lebendige Runde mit dem Ergebnis, dass es eine Blues-Band, eine Ska-Band, ein Akustik-Duo, ein Experimental-Trio und einen A-Capella-Chor geben soll. Ich schreibe das Ergebnis an die Tafel und wir lassen es erstmal so stehen und wirken. Denn nun heißt es, die Basis für  die Bandarbeit zu schaffen. Mit Unterstützung der beiden Koordinatoren Hansjörg Quaderer und Roman Banzer und den drei Musikern aus der Gruppe, die eigene Bands haben, werden Instrumente und eine PA[2] aus Übungsräumen und der Musikschule in Vaduz organisiert. Ein grüner Plastikgrasteppich der Uni, von den Studenten organisiert, soll als Schlagzeug-Unterlage dienen. Da wir zwei Schlagzeuge haben, wird er kurzerhand in zwei Hälften geteilt. Drei Hörsäle und Gruppenräume werden zu Übungsräumen. Während die Studenten unterwegs sind, um die Instrumente zu besorgen, sitze ich mit den Studentinnen auf dem grünen Plastikgrasteppich, wir jammen und improvisieren gesanglich. In kurzer Zeit ist sehr viel passiert – jetzt kann es bald richtig los gehen!

Am Ende des Tages beginnen wir mit dem Texten. Es ist zwar spät, aber erfahrungs­gemäß brauchen kreative Ideen eine Brutzeit. Einmal darüber zu schlafen bringt oft weiter, als am gleichen Tag alles stemmen zu wollen. Ich bitte die Gruppe, sich in den voraussichtlichen Band-Formationen, zu Co-writing-Einheiten zusammen zu schließen und halte einen kleinen Vortrag darüber, dass beim Schreiben eine eindeutige Motivation hilfreich ist. Soziale Themen sollen bearbeitet werden, was fällt euch dazu ein? „Parkgebühren sollen erhoben werden und die Mensa ist nicht gut“ – Hm, da muss ich mir noch etwas einfallen lassen. (Die StudentInnen sitzen im räumlich unveränderten Hörsaal in der üblichen Sitzordnung. Ich stehe an der Tafel und merke bei mir eine Irritation, rein körperlich. Dieses Raumgefüge ist dem Prozess nicht förderlich, es wiederholt den Frontalunterricht, den die StudentInnen aus dem Alltag kennen und ich habe den Eindruck, sie ziehen sich auf bekannte Verhaltensmuster zurück). In den letzten 30 Minuten bekommen die StudentInnen von mir den Auftrag, einfach los zu schreiben, Ideen finden, sammeln, Prosa, fertige Reime, alles, was ihnen in den Sinn kommt. Automatisches Schreiben, intuitives Schreiben. Über schnelles Schreiben den Zensor ausschalten, nicht denken – tun! Dann ist der erste Tag schon vorüber.

Tag 2 – “Trust the Process”

Dieses Zitat von Shaun McNiff, einem Pionier im Bereich der Kunsttherapie, schreibe ich am zweiten Tag morgens unkommentiert an die Tafel. Mir ist klar, dass wir hier in einem mit bestimmten Handlungen und Gefühlen verbundenen Umfeld ad hoc von einem rationalen auf einen intuitiven Prozess umschalten und das mit Irritationen verbunden ist. Außerdem passieren viele Dinge gleichzeitig, die emotional sehr intensiv sind.

Wir beginnen den Tag mit einer Feedback-Runde im Stuhlkreis. Zwei StudentInnen sprechen davon, verwirrt zu sein (I am confused). Verständlich – und es ist sehr gut, das so zu formulieren und auszudrücken! Ich merke an, dass Neues zu schaffen und in die Welt zu bringen, auch immer bedeutet, mit Unsicherheit seinen Frieden zu machen. Wichtig ist das Vertrauen in den kreativen Prozess sowohl beim Songwriting als auch beim Entwerfen. Niemand kann dir sagen, wo du hin willst, den Weg musst du selbst finden. Letztlich könnte man diese Verwirrung auch als die Quelle sehen, wir beginnen Dinge in Frage zu stellen und neu zu kombinieren, bis sich das Neue richtig „anfühlt“.

Ich erzähle den StudentInnen von einem Songwriting-Retreat in Dänemark, an dem ich vor einiger Zeit teilgenommen habe. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es möglich ist, jeden Tag mit einem anderen Songwriter einen Song zu schreiben, den Song am Abend der Gruppe vorzustellen und die Songs dann am Ende der Woche vor Publikum bei einem richtigen Konzert zu spielen. Zustimmung. Ja, das hört sich wirklich unmöglich an! Ok, alles ist möglich! Ich erkläre das Prinzip des „inneren Kritikers“ auch Zensor genannt. Wir alle haben einen Zensor in uns, der uns bei neuen Unternehmungen sagt, dass wir das nicht können und/oder mit Sicherheit scheitern werden. Als Künstler ist es sehr wichtig, sich dessen bewusst zu sein, dass es diese Stimme in unserem Kopf gibt.

Über Nacht habe ich mir Gedanken über die Bandzusammensetzungen gemacht. Wir haben nur einen Gitarristen, der auch Bass spielt – einen zweiten, der eigentlich Drummer ist und einen weiteren Studenten – der eigentlich Trompeter ist, aber auch Gitarre und Bass spielt. Außerdem können alle Studenten singen, das kenne ich speziell aus Deutschland anders. Ich teile meine Gedanken zu den Bandzusammensetzungen mit, meine Vorschläge werden angenommen, wenn auch nicht alle glücklich damit sind (klar, drei Bands und nur ein Gitarrist!). Aber wir müssen erst einmal irgendwo anfangen, sonst bleiben wir auf der Diskussionsebene hängen und kommen nicht in Fluss. Um die Aufmerksamkeit beim Texten zu erweitern und in andere Bereiche zu lenken, lege ich jedem ein Blatt aus der Züricher Zeitung auf den Stuhl. Die StudentInnen sollen mit dem Finger blind auf eine Stelle zeigen und diese dann in ihre bereits vorhandenen Textideen einbauen. Zusätzlich gebe ich den StudentInnen Info-Blätter zum Texten, Songstrukturen und Reimformen. Damit sollen die einzelnen Gruppen in den verschiedenen Räumen weiterarbeiten. Es gibt keinen für mich wahrnehmbaren Gesprächsbedarf zum eigentlich Handwerk des Songwritings. Vielleicht auch deshalb, weil alle einfach endlich loslegen wollen.

Nach zwei Stunden gibt es eine erste Rückmeldung, die Ska-Band hat keinen Gitarristen und das funktioniert für sie so nicht. Das ist absolut klar, ohne Gitarre und Bass kommt man nicht in den Rhythmus rein. Ich rufe alle zusammen und frage, ob es ok wäre, sich einen Gitarristen „zu teilen“. Das wird angenommen und außerdem erklärt sich ein weiterer Student bereit, Bass zu spielen. Alle sind wieder glücklich!

Am Nachmittag gehe ich von Raum zu Raum, höre zu, beobachte, fühle mich ein und gebe Tipps und Hilfestellungen. Ein paar weitere kleine Korrekturen an den Band­besetzungen werden vorgenommen. Ich beobachte, dass ein Student irgendwie körperlich blockiert ist, auf mein Nachfragen hin erfahre ich, dass er gesundheitlich bedingte Einschränkungen hat. Ich rate ihm, einen anderen Studenten zu fragen, ob er den körperlich anstrengenden Part übernehmen kann, denn es ist auch wichtig, seine Grenzen zu erkennen und um Hilfe bitten, was er auch gut findet. Als ich das nächste Mal in den Übungsraum schaue, hat ein anderer Student seinen Part übernommen, ganz selbstverständlich, ich bin gerührt.

Eine Phase des Ausprobierens und Experimentierens beginnt. Die Songs wachsen, die Texte werden sehr schnell aus dem Entstehungs- in den Umsetzungsprozess gebracht. Überall Bandplaying mit den dafür notwendigen Aushandlungsprozessen, wie z.B. wer singt wann im Refrain, wie soll das Schlagzeug klingen, wo sollen die Soli sein. Aber auch gegenseitige Unterstützung und jeder scheint seinen Platz in den Formationen zu finden – oder eine extrem hohe Frustrationstoleranz zu haben.

Foto: Claudia Nentwich

Tag 3 – Lockerer Körper = lockere Stimme!

Mithilfe der Koordinatoren gelingt es, die Erlaubnis der Vaduzer Musikschule zu bekommen, ihren Konzertsaal für Gesangsübungen zu nutzen. Wir finden uns an einem regnerischen Morgen dort ein. Ein schöner Saal mit super Akustik und einem sehr schönen Bösendorfer Flügel. Ich bitte die StudentInnen, die Schuhe auszuziehen, es ist warm und der Boden sehr sauber. Wir machen Aufwärmübungen aus dem Yoga, dehnen und strecken, Sufi-Tanz im Sitzen. Dann eine Atemübung mit kleiner Meditation. Es ist schön, die Stille zu spüren, in der sich in diesem Moment eine große Harmonie entfaltet. Dann beginnen wir mit den eigentlichen Gesangsübungen. Die gesamte Gruppe setzt meine Anweisungen sofort um, der Saal schwingt. Vokalübungen, A und Ohs, Brs und Drs und zum Schluss eine Schnellsprech-Übung in Deutsch (Meßwechsel – Wachsmaske), bei der alle, auch die nicht Deutsch Sprechenden mitmachen und es viel Gelächter gibt.

Danach organisieren wir, dass alle mit Auto die anderen mit zur Uni nehmen und machen dann Mittagspause beim veganen Mittagstisch. Der wird aus abgelaufenen Supermarktartikeln und frisch nach-geernteten Feld-, Wald- und Wiesenfrüchten hergestellt. Übrigens auch ein Workshop dieser Woche. Die Uni vibriert geradezu vor Energie! Alles ist bunt und verrückt, so viel Lebensfreude! Der Radio-Workshop beschallt uns, Bildschirme mit Sprüchen wie: When you watch TV what do you expect – the truth? stehen in den Gängen, mit Liebe reparierte Sperrmüll-Möbel laden zum Sitzen ein, eine Bar im Außenbereich, die Sonne scheint. Alles scheint leicht und frei: produktiver Ausnahmezustand eben!

Am Abend soll es ein Konzert im Atelier geben, bei dem drei Dozenten der Uni spielen (drums, guitar und bass) und ich ein paar Cover singe. Am Nachmittag, während alle Bands an ihren Stücken weiter arbeiten, bereite ich mich selbst vor und baue die StudentInnen in Songs und den Ablaufplan ein. Ich lerne zwei meiner Bandkollegen erst kurz vor dem Konzert kennen. Wir proben etwas angestrengt und ich merke, dass ich mich jetzt besser selbst an das halte, was ich meinen Studenten „gepredigt“ habe: Trust the process! :-). Dann bekommen die Studenten den Auftrag, die Anlage im Atelier für das Konzert aufzubauen, sie organisieren sich selbst, schnell und professionell.

Es folgt ein super Abend, alles läuft sehr gut, bis auf einen teilweisen Stromausfall nach dem ersten Song. Nur mein Mikro hat noch Strom, ich rufe spontan Lars Ruppel (Workshop Social Slam) auf die Bühne, der die Zwangspause genial überspielt mit „Holger, die Waldfee“. Etta Streicher, eine weitere Poetry Slammerin und Workshop-Dozentin (Mit Sprache denken machen), die ich auf die Bühne rufe, zieht ein Kondom übers Mikro und erzählt uns etwas über Haut. Dann ist der Strom wieder da, wir spielen weiter. Die Hälfte unserer Garagenband-Gruppe steht auf der Bühne oder am Mischpult. Dem Dean scheint das alles sehr gut zu gefallen, so was bräuchten sie hier, meint er. Schade, dass ich mir das an einer Berliner Uni so nicht vorstellen kann…

Tag 4 – Kreativität? Play!

Ich beginne den Tag mit einer kleinen Einführung zu Kreativität: Flow, Zensor, das innere Kind, arroganter Perfektionismus, Arbeitsgewohnheiten, Morning Pages, basierend auf Julia Camerons „The Artist´s Way“, einem Standardwerk über die Aktivierung von Kreativität, mit dem ich seit Jahren erfolgreich arbeite. Ich empfehle den StudentInnen sich mit dem Thema Kreativität anhand von Literatur intensiver zu beschäftigen, das wäre lohnenswert.

Nach einer kurzen Lagebesprechung, geht es wieder in die Übungsräume. Wir finden einen Song, den wir beim Konzert am Samstag gemeinsam nach der Präsentation der anderen vier Songs a capella vortragen wollen: „You´ve got the love“ in der Fassung von Florence & the Machine.

Die Bands proben weiter. Der einzige „richtige“ Übungsraum mit PA, in dem wir laut spielen dürfen, muss geteilt werden. Es baut sich Druck auf, wie viel Zeit haben wir noch, wo stehen die anderen Bands? Einige sind nicht mit den Ergebnissen zufrieden, mit sich selbst oder dem Stand der Gruppe, aber alle zeigen trotz widriger Bedingung sehr viel Geduld und Ausdauer. Der Auftritt kommt näher. Ich versuche die Prozesse zu unterstützen, in dem ich Einzelnen konkrete Vorschläge mache oder darauf hinweise, dass aus meiner Sicht bestimmte Stellen mehr Energie oder Zurücknahme erfordern.

 Tag 5 – Resümee und Vorbereitung auf das Konzert

Letzte Feedback-Runde am Morgen, ich schreibe drei Fragen an die Tafel: Sind eure Erwartungen erfüllt worden? Habt ihr etwas gelernt, das euch überrascht hat? Könnt ihr Erfahrungen aus dieser Woche für euer Studium nutzen? Alle StudentInnen sagen, dass sie Spaß hatten, tolle Songs geschrieben wurden und ihre Erwartungen übertroffen wurden. Ein Student spricht davon, dass ihn das hohe Niveau am Anfang depremiert hätte, dieses Gefühl sich aber im Laufe der Woche abgeschwächt hätte, weil die Gruppe ihn aufgefangen hätte. Einige sagen, sie hätten neue Freunde gefunden.

“Social and musical skills improved a lot.“

“I learned to work for something unexpected, go, trust and make it happen.“

“It was fun to play in a group, I was crying sometimes because it was so good, I will make music in my spare time now.”

“We learned a lot from each other and I learned a lot about myself and how to work in a team.”

“I am happy with the process, everybody could adapt to all kind of musical styles.”

“Music is a way to relax myself.”

“Good start for the semester, yoga and breathing was good.”

“It was good that we were allowed to play what we like to play.”

“I learned that you always find new possibilities and answers.”

“What we did in the musical school and the a capella singing was good and surprising.”

“Everybody is special.”

“Using breathing and yoga surprised me.”

Im Anschluss besprechen wir detailliert den Ablauf des Konzerts: was sollte man beachten, wer spielt wann und die Aufgaben werden verteilt. Die Räume müssen aufgeräumt werden. Das Equipment für das Konzert am nächsten Tag muss in den Außenbereich der Uni transportiert und aufgebaut werden. Ich bitte um Ausdrucke der Texte, die ich zusammen mit den Studenten etwas überarbeite, weise auf Rechte an den Songs hin und gehe noch kurz auf das Performing selbst ein, z.B. dass auch vorbereitet werden sollte, wie man auftritt und was man ansagen möchte.

Dann beginnen wir mit dem Einstudieren des A-Capella-Songs. Eine Studentin sucht den Song auf YouTube und projiziert den Text mit dem Beamer an die Wand. Wir hören zu, beim ersten Refrain höre ich einen Background-Gesang und singe mit, die Studenten fallen ein. Wieder keine großen Worte, im Fluss bleiben. Wir hören uns den Song noch zweimal an, besprechen die Einsätze. Dann schlage ich vor, die Parts in verschiedenen Räumen vorzubereiten. Ein kollektiver Moment des Zweifels entsteht, wie eine Blase legt er sich über die Gruppe. Ich bin erstaunt darüber und spreche das aus. Dass ich diesen Zweifel in ihren Gesichtern sehen würde, sie aber wie die Woche gezeigt hätte, dem Prozess vertrauen könnten und ich hätte ein gutes Gefühl, was die Resultate anbelangt.

Ich brauche ein bisschen frische Luft. 30 Minuten später gehe ich in die Räume, höre zu,  bringe alle wieder im großen Raum zusammen und bitte sie, einfach los zu legen. Das Ergebnis ist phänomenal: In sehr kurzer Zeit ist ein vielstimmiger Chor entstanden, zwei Studenten haben die Gitarre eingesetzt, was sehr hilft, die Stimmen zu halten, sie spielen präzise und zurückgenommen. Die Männerstimmen legen einen Teppich, Mouth­drums, wunderschöner Gesang in den Strophen. Es ist wie ein Zauber, der über allem liegt, wir fliegen…

Tag 6 – Concert and … party!!

Ich komme später als vereinbart in die Uni – und finde alles perfekt vorbereitet für das Konzert vor – Chapeau! Die Studenten, die eigene Bands haben, wissen natürlich was zu tun ist und haben alles gemanagt. Die Anlage steht auf der kleinen Outdoor-Bühne, die hinter der Uni mit Blick auf die Berge aufgebaut wurde. Es wurde sogar ein Tontechniker organisiert, der mit Kopfhörer am Mischpult steht und beim Mixen hilft. Alle sind da, haben Lampenfieber, aber wollen auch zeigen, was sie in dieser Woche erarbeitet haben. Viele weitere StudentInnen haben sich schon eingefunden und genießen das schöne Wetter. Alle Workshops präsentieren ihre Ergebnisse. Es sind auch externe Gäste da. Ich sehe mir einige Präsentationen der anderen Dozenten an und bin beeindruckt, was in so kurzer Zeit entstanden ist. Die Energie ist wieder mal wirblig, aber heute nicht so leicht, wie in den vergangenen Tagen. Aufregung, Nervosität, Lampenfieber. Wie wird es werden, wird alles klappen?

Gegen 18.00 Uhr ist unsere Gruppe dran. Ich bin – bis auf eine kleine Anmoderation – nur noch Beobachterin und freue mich über die fünf Songs, die entstanden sind, über die Gruppenprozesse auf der Bühne, und dass trotz der Aufregung noch so viel steht. Es läuft alles sehr gut und das Publikum geht mit. Nach dem Auftritt: Große Erleichterung und überschwängliche Freude, wir haben es geschafft und es hat allen Spaß gemacht! Noch ein paar Gespräche, Lob, Beschwichtigungen, Dank und Verabredungen. Viele müssen schon gehen, einige bleiben noch für die Party. Die Zeit fliegt, ist alles schon vorbei?

In einer Woche wurde aus 14 Einzelpersonen eine äußerst kreative und sich gegenseitig unterstützende internationale Gemeinschaft. Die StudentInnen haben sich sehr engagiert, offen und mit großem Gestaltungswillen auf die künstlerischen Prozesse eingelassen. Eine Woche voller Musik, die musikalisch und menschlich die Erwartungen aller mehr als übertroffen hat und von großem Einfühlungsvermögen, Rücksicht und Hilfsbereitschaft geprägt war — und mir die Gelegenheit geboten hat, Liechtenstein auf eine etwas andere Weise kennenzulernen.

 

Foto: Claudia Nentwich

 

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weiter lesen: Claudia Nentwich, Liederfänger – Wege zum Songwriter. Norderstedt: BoD, 2007

Website: www.songwritingforum.de

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[1] http://www.uni.li/ArchitekturundRaumentwicklung/BachelorArchitektur/Studienplan/Kompaktprojekte/2012WS201213/tabid/2419/language/de-CH/Default.aspx

[2] PA(Public Address) ist eine Beschallungsanlage, die der Wiedergabe und Verstärkung von Sprache oder Musik dient.