— Cultural Sources of Newness

Dokfilm über Innovationsarbeit. Ein Angebot zur Diskussion

Wenn ein sonntäglicher Kinobesuch in “Arbeit” ausartet: Der Dokumentarfilm „Work hard, play hard“ macht Arbeit nicht nur zum Thema, sondern weist auch Schnittstellen zu Kulturellen Quellen von Neuheit auf, die mir zu denken geben. Auch hier geht es um kreative Räumen und Köpfe und die Pflege von Innovationskulturen. Ein Film über die “postindustriellen Werkstätten der Wissens- und Dienstleistungsarbeit.”

Die Regisseurin Carmen Losmann schafft in 90 Minuten das Kunststück, ein trockenes, abstraktes Sujet emotional an-, auf- und oft auch abschreckend zuzubereiten. Dramaturgisch geschickt gemacht, arbeitet sich der Film von Außen nach Innen, über die Fassaden in die Büros, von den Architekturen zukunftsorientierter Arbeitsplätze bis in die Talent-Datenbanken und Potenzialanalysen, Wohl und Weh leistungsorientierter Angestellter.

Wozu die Glasfassade?

In einem Architekturbüro wird ein innovatives Firmengebäude geplant. Laut Ausschreibung soll der Neubau die hochproduktive und kreative Arbeitsatmosphäre des Unternehmens verkörpern. Hier geht es um weit mehr als eine symbolträchtige und medienwirksame Fassade. Hier werden Innovationsstudien baulich umgesetzt – in lichten, heimeligen Verkehrs- und Gemeinschaftsräumen, in denen sich Menschen begegnen zum zufälligen Ideenaustausch auch abseits der Kaffeemaschine.

Eine Frau sitzt im wohnlich stilisierten, geteilten Denkraum, hinter der Glasfront vor ihr treiben Eisschollen durch den Hamburger Hafen. Die Kamera hält still, die Frau sitzt unbeweglich mit dem Rücken zum Zuschauer über ihre Arbeit gebeugt. Draußen bahnt sich ein riesiger Schiffsbug den Weg durch das Eiswasser – ein Schauspiel, doch die Frau blickt keine Sekunde auf, ist im Flow“, bemerkt nichts vom Draußen.

Kulturelle Quellen, die wir meinen?

Vom kreativen Gleiten spricht auch der Mitarbeiter eines Incentive-Parcours im Grünen, wo beim Abseilen, Robben und Klettern Teamfähigkeit und Lösungsorientierung geprobt wird. Anschließend quält sich das Publikum mit Interviewsituationen, in denen Prüflinge nervös und motiviert die Fragen von Human Resources Managern beantworten. Immer tiefer dringt das Drehbuch in die schöne neue Arbeitswelt. Bald scrollt die Kamera durch Personaldatenbanken mit High Potentials und solchen, die durch Knopfdruck als „durchschnittlich“ abgeschrieben werden. Englische Begriffe spielen übrigens nicht nur in diesen Zeilen eine prominente Rolle.

Schließlich müssen Arbeitshaltungen gewandelt werden und hier spielt dann “Kultur” eine große Rolle. Dort nämlich, wo Change Agents daran arbeiten, den „kulturellen Wandel wirklich nachhaltig in die DNA jedes einzelnen Mitarbeiters zu pflanzen.“ Sind das die kulturellen Quellen, die wir meinen? Jedenfalls ist sicherlich ist nicht alles neu, was auf diese Weise die Bilanz verbessert.

Hard Play, little fun

„Carmen Losmann hat einen Film zum Fürchten gedreht“, schreibt Martina Knoben auf süddeutsche.de. Das „play hard“ im Titel scheint auf Pokerfaces gemünzt, denn vom Spiel als möglicher Quelle von Kreativität ist wenig zu sehen. Schon die erste Szene à la „Prüfungssituation im Personalbüro“ ätzt. Da stellt eine junge Frau konzentriert, betont langsam und bemüht eine Reihe von Fragen zur Arbeitseinstellung ihres Gegenübers. Am Ende des Films wird diese Situation dann allerdings auf überraschende Weise aufgelöst und verkehrt…

Statt zu viel zu verraten, eine offene Frage zum Schluss: Was ist wohl schwieriger, die Planung von Innovation und guten Ideen oder das Pflanzen von Arbeitskulturen? Aber vielleicht muss hier auch gar nicht gesät, sondern nach der Selektion der Talente und Aussonderung der faulen Früchtchen nur noch gehegt werden–coaching statt Führung, eben.