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Visualisierungstools

Angeregt durch die Diskussionsbeiträge von Thomas und Sophie auf unserer Klausurtagung Ende November zum Ngram-Viewer und zum Topic-Modeling, habe ich mich in den letzten Monaten in Mußestunden oder bei Schreibblockaden im Netz nach Visualisierungstools umgesehen.

Die Grundfrage ist denkbar einfach, um nicht zu sagen banal: Ausgehend von der Binsenweisheit „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, suchte ich nach Tools, die mir die Arbeit vereinfachen können, und zwar sowohl die Forschungs- als auch die Präsentationsarbeit. Dabei ging es mir um möglichst simple und altersgerechte Tools, für deren Handhabung ich kein Sonderstudium benötige.

Vorbemerkung

Um es gleich voraus zu schicken: Der Blog ist nicht mein Medium und wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr werden. Neben anderen zeichnen dafür unter anderem zwei Gründe verantwortlich.

Zum einen kann ich nicht eben mal schnell ein paar Zeilen aufs Papier werfen. Das ist kein böser Wille, sondern schlichtes Unvermögen. Ehe ich nicht ein halbwegs ausgereiftes Konzept im Kopf habe, verweigern die Finger einfach ihren Dienst. Ich bin kein schneller Schreiber, sondern ein langsamer Brüter.

Zum anderen hindert mich eine, wie soll ich es am besten nennen, Mischung von Netzhygiene und Scham, daran, das Internet mit meinem unausgegorenen Gedankenschrott voll zu müllen. Es gibt da ohnehin schon genug unsäglichen Exibitionismus, den ich nicht noch mehren möchte.

Wenn ich mich trotzdem dazu durchgerungen habe, zwei Beiträge für unseren Abteilungs-Blog zu verfassen, dann hat dies drei Gründe: Erstens tue ich es Janet und Ariane zuliebe, die diesen Blog für uns alle ins Leben gerufen haben und die ich mit ihrer Initiative jetzt nicht alleine im Regen stehen lassen will. Zweitens werde ich kaum etwas Eigenes liefern, sondern lediglich auf Bekanntes verweisen. Drittens schließlich hoffe ich, dass diese Verweise für die eine oder den anderen hilfreich sein können.

Ende der Vorrede.

 

Bei meinen Recherchen stieß ich bislang auf drei Typen von diesbezüglichen Visualisierungstools, die sich schlagwortartig verkürzt vielleicht am besten als Recherche-, Darstellungs- und Analyse-Tools bezeichnen ließen und die ich im Folgenden stichpunktartig skizzieren möchte. Um eiligen Lesern gleich Zeit zu sparen: Weder was die einzelnen drei Typen und schon gar nicht was ihre Gesamtheit betrifft, gibt es eine eierlegende Wollmilchsau, die ich hier durch den Blog treiben könnte. Ob und was möglicherweise nützlich ist, muss jeder für sich selbst herausfinden.

Wer neben Visualisierungstools auch an Werkzeugen interessiert ist, die andere Bereiche betreffen, wie zum Beispiel „Data Mining“, „Collaborative Authoring“, „Text Analysis“ und, ja, sei’s drum, auch „Blogging“, dem sei folgende Seite empfohlen:

https://digitalresearchtools.pbworks.com/w/page/17801672/FrontPage

Hier gibt es viel zu entdecken. Und das eine oder andere Tool lässt sich bestimmt auch nutzen. Nun aber zu den angekündigten drei Typen:

 

Typ 1: Recherche-Tools (Tools zur Visualisierung von Internet-Recherchen)

Aus meiner Erfahrung stellt sich bei Netzrecherchen zunehmend immer weniger die Frage, ob es zu einem bestimmten Problem Informationen im Netz gibt, sondern wie sich die diesbezügliche Informationsflut ordnen und die Spreu vom Weizen trennen lässt. Sich durch den Berg, will sagen durch das Gebirge, der aufgelisteten Seiten zu klickern, ist nicht gerade immer prickelnd und gleicht häufig auch einem Lotteriespiel. Visualisierungen der Suchergebnisse schaffen das Problem zwar nicht aus der Welt, können aber die Übersicht erleichtern und bestimmte Ordnungsstrukturen liefern, beispielsweise durch Clusterungen von Suchergebnissen.

Es gibt eine ganze Reihe von Tools zur Visualisierung von Recherche-Ergebnissen. Mehr als ich ursprünglich dachte. Um die Leistungsfähigkeit der Tools zu testen und miteinander zu vergleichen, habe ich immer nach zwei Begriffen gesucht, und zwar einem Allerweltswort und einem bestimmten Namen. Das Allerweltswort lautete „Electric Car“ oder „Electric Vehicle“, der Name Ivan Leonidov. Letzterer war ein, heute auch in Fachkreisen, weitgehend vergessener brillanter sowjetischer Avantgarde-Architekt. Nur wenn die Suchmaschinen zu beiden Begriffen Ergebnisse lieferten, kamen sie bei mir auf die Liste möglicher Visualisierungstools, denn mir nützt kein Tool, das zwar phantastisch visualisiert, aber nur Allgemeinplätze liefert. Zu den Tools meiner Liste gehören beispielsweise die Folgenden:

Es lohnt sich meines Erachtens, das eine oder andere Tool auszuprobieren und zu testen. Die Visualisierungen sind sehr unterschiedlich, manche auch sehr gewöhnungsbedürftig und auf die Dauer eher exotisch als hilfreich. Dennoch, ein Versuch ist es alle Mal wert, und sei es, um schließlich wieder beim geliebten Google und dessen Vorzügen zu landen.

 

Typ 2: Darstellungs-Tools (Tools zur Visualisierung von eigenen Forschungsergebnissen)

Die Visualisierung von eigenen Forschungsergebnissen betrifft bei mir immer zwei Bereiche. Zum einen möchte ich im Arbeitsprozess bestimmte Daten, Fakten, Zusammenhänge etc. für mich selbst irgendwie graphisch darstellen, um sie zu verstehen, zu ordnen und auf den Begriff zu bringen. Zum anderen geht es mir immer auch darum, in Vorträgen und Präsentationen Visualisierungen zu nutzen, um meine Ergebnisse anderen auf möglichst einfache und anschauliche Art und Weise zu vermitteln.

Die folgenden Tools lassen sich zu beiden Zwecken nutzen, und zwar teils direkt, teils heuristisch. Direkt heißt, bei einigen ist es möglich, mit ihnen online Grafiken zu erstellen. Heuristisch meint, die dort gesammelten Beispielgrafiken stellen einen beachtlichen Ideenpool dar, der viele Anregungen für neue Visualisierungsformen liefern kann.

Der dritte Link, also die Tableau Software, speziell die Tableau Desktop-Variante, verweist auf eine kommerzielle Software, die zudem nicht gerade ein Schnäppchen ist. Trotzdem wäre mal zu prüfen, ob es hier vielleicht mehrere Interessenten in der Abteilung oder im Hause gibt, die dieses Tool nutzen wollen. Ich wäre auf alle Fälle mal schon dabei.

 

Typ 3: Analyse-Tools (Tools zur Analyse von semantischen Karrieren und Konjunkturen)

Die Links zu diesen Tools verdanke ich Thomas und Sebastian Nix, unserem Bibliothekschef. Thomas hat mir den Floh ins Ohr gesetzt und Herr Nix hat ihn kräftig gefüttert. Aber der Reihe nach.

Die Grundfrage lautet: Gibt es Tools, die es ermöglichen, Begriffs- oder Themenkonjunkturen auf der Basis von Presse- und Fachdatenbanken zu analysieren? Eine Pressedatenbank wäre beispielsweise „LexisNexis“, eine Fachdatenbank „Sociological Abstracts“. Ideal wäre es nun, wenn die Nutzerin oder der Nutzer lediglich vier ganz einfache Dinge tut:

  1. Eingabe eines Begriffs (z.B. „Electric Vehicle“)
  2. Angabe des Zeitraums (z.B. „1992-2012“)
  3. Spezifizierung der Quellen (z.B. „Lexis Nexis→englischsprachige Presse→Zeitungen“)
  4. Enter-Taste drücken

Und nun müsste ein Grafik erscheinen, wo auf der x-Achse der Zeitraum und auf der y-Achse die Häufigkeit erscheint, mit der dieser Begriff in englischsprachigen Zeitungen in den jeweiligen Jahren auftaucht. Gleiches gilt entsprechend für die Analyse von Begriffs- und Themenkonjunkturen in Journals.

Der heuristische Nutzen solcher Karriere- und Konjunkturkurven scheint mir auf der Hand zu liegen, insbesondere wenn sich mehrere Themenkonjunkturen miteinander vergleichen lassen, also etwa „Electric Vehicle“ und „Oil Price“ oder „Electric Vehicle“ in Presse- und in Fachdatenbanken.

Der Fachmann, sprich Sebastian Nix, sieht natürlich sofort völlig zurecht einen ganzen Sack voll von Problemen, die bei der Interpretation der Kurven beachtet werden müssen, um Fehlschlüsse zu vermeiden. Vor der Lösung dieser Probleme müsste man jedoch zunächst eine halbwegs zuverlässige und repräsentative Kurve haben. Um solche Kurven zu bekommen, hat Herr Nix im Januar eine Mail an seine Fachkolleginnen und -kollegen geschickt, die auf beachtliche Resonanz stieß. Die wichtigsten Rückläufe hat er freundlicherweise in einer Mail an mich zusammengestellt. Ich bin jetzt im Schneckentempo dabei, diese Zusammenstellung Punkt für Punkt abzuarbeiten, um mir einen ungefähren Überblick zu verschaffen. Folgende Links machen die Problematik der bisher verfügbaren Tools deutlich. Sie zeigen einerseits, was prinzipiell ginge und machen andererseits sehr anschaulich klar, voran es gegenwärtig noch hapert:

Trotz oder besser gesagt gerade wegen der noch vorhandenen unübersehbaren Mängel, wie begrenzte Zeiträume, nichtrepräsentative Datenbanken, unzureichende Quellenspezifizierung, unerklärliche systematische „Konjunkturknicke“, um hier nur einige zu nennen, kann ein bisschen Rumspielen nicht schaden, um sich den potenziellen Nutzen dieser Tools zu vergegenwärtigen. Und die eine oder der andere findet vielleicht auch Interesse an solchen Werkzeugen. Wer immer mir hier einen Wink geben könnte, dem sei schon im Voraus gedankt. Es wäre doch ein echter Hammer, wenn solche Tools wie LitFinder nicht nur die kleine Prinziplösung auf der linken Seite, sondern tatsächlich ein leistungsfähiges Visualisierungstool besitzen würden.

Apropos Sebastian Nix und und LitFinder. Es gehört zwar nicht in diesen Beitrag, aber ich muss meinem Ärger einfach mal Luft machen. Herr Nix, Frau Höhne und andere ebenso findige wie fleißige Köpfe haben uns Nutzerinnen und Nutzern mit LitFinder ein ganz ausgezeichnetes Recherche-Tool zur Verfügung gestellt, dessen Wert jeder zu schätzen weiß, der sich schon mal mühsam Schritt für Schritt durch einzelne Datenbanken gequält hat, um sich einen Überblick über einen neuen Themenbereich zu verschaffen. Soweit ich das aus meiner Froschperspektive beurteilen kann, ist LitFinder potenziell besser als Google Scholar und ähnliche Suchmaschinen. Sicher gibt es noch Mängel, die sind aber nicht grundsätzlicher Art und lassen sich Zug um Zug ausmerzen. Angesichts dessen ist es offen gesagt eine Schande, wie die beiden von der Bibliothek angebotenen LitFinder-Schulungen genutzt wurden. Die Diskrepanz zwischen der aufgewendeten Arbeit der Bibliothek und dem Desinteresse der Nutzer ist eklatant und alles andere als motivierend. Aber vielleicht täusche ich mich auch, weil der Schulungsbesuch der falsche Indikator ist und ich stattdessen mal die begeisterten mündlichen und schriftlichen Rückmeldungen hätte zählen sollen, ehe ich hier Dampf ablasse.

Soweit zu den Visualisierungstools. Im zweiten Beitrag, der in ein paar Tagen folgt, wird es metaphysisch, denn da geht es nicht um Werkzeuge, sondern um die Seele der wissenschaftlichen Arbeit.