— Cultural Sources of Newness

Zehn gute Gründe, öfter mal zu schreiben

Die Referentin Dr. Mareike König vom Deutschen Historischen Institut Paris hat mich überzeugt. Es heißt das Blog – schließlich handelt sich um eine Wortkreuzung aus Web und Log, also um eine Art Internetnotizbuch. Und das macht Sinn, auch wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Möglichkeit des öffentlichen Aufschreibens, Dokumentierens und Austauschs im Netz nur zögerlich für ihre Arbeit nutzen (WZB Empirie). Die gepflegte Internetidentität kann heute aber durchaus karriereentscheidend sein, erklärt Mareike König im Rahmen der WZB-Veranstaltung “Forschungsjournale im Netz: neue Publikations- und Kommunikationswege über Twitter, Facebook und Wissenschaftsblogs”. Es folgten hilfreiche Tipps und Infos und zehn gute Gründe für mehr Text.

Blogs

Das Thema lädt ein zur geteilten Aufmerksamkeit: Während Mareike König offline spricht und online illustriert, kommentiert ihr Kollege Sascha Förster von der Max Weber Stiftung live auf  Twitter und animiert die Anwesenden, darunte viele externe Gäste, der Paralleldiskussion zu folgen. Besonders aktiv auch dort eine uns wohlbekannte Stimme… Wer das veranstaltungsbegleitende Gezwitscher noch auf Twitter nachlesen möchte, nutze den Hashtag #wzbhypo, dort sind auch die Präsentationsfolien verlinkt.

Aber zur Sache, im Netz hat keine ewig Zeit. Zehn Gründe, warum sich öffentliches Notizblocken lohnt:

Wer wissenschaftlich bloggt,…

  1. kreiert Synergieeffekte
  2. bleibt im Schreibfluss
  3. strukturiert seine Gedanken
  4. lernt loszulassen – sowohl komplexe Ideen, als auch stets ausbaufähige Texte
  5. strickt am eigenen sozialen Netzwerk
  6. macht sich bekannt in einer wachsenden science web community
  7. archiviert Gedanken und Thesen in einem “digitalen Zettelkasten” (M. König), der weltweiten Zugriff ermöglicht
  8. schafft eine Expertenplattform mit Beiträgen zu spezifischen Fachthemen
  9. erhält im Idealfall hilfreiche Kommentare von Kolleginnen und Kollegen
  10. kann sich einen Spaß daraus machen, schreibend neue Stile, Textformate und subjektive Perspektiven ausprobieren – täglich, wöchentlich, monatlich und auch nachts.

Wie ich selbst feststelle, eröffnen sich hinsichtlich der strategischen Nutzung von Blogaktitäten weite, ungenutzte Spielräume. Doch mit welchen Inhalten lassen die sich füllen? Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Klassiker für wissenschaftliche Blogeinträge sind…

  • eigene Beiträge zum eigenen Forschungsthema
  • Kurzhinweise mit Links zu verwandten, relevanten, weiterführenden Quellen und Material
  • Veranstaltungsankündigungen
  • Nachlesen
  • Rezensionen
  • Podcasts oder Filmmitschnitte
  • Vorstellung von Projektmitarbeitern oder -teams
  • Interviews, z.B. mit Kolleginnen und Kollegen (geht schnell und kommt gut)

Blogs können offline Publikationen nicht nur den Weg bereiten, sondern entstehen inzwischen auch rund um Buch oder Zeitschriftenprojekte publikationsbegleitend. Ein Beispiel hierfür ist die deutsch-französische Revue Trivium.

Kein Ersatz für Zeitschriftenartikel

Blogbeiträge lassen sich komplementär zur wissenschaftlichen Veröffentlichung verfassen und nutzen. Sie ersetzen zwar (noch) nicht den Artikel im peer reviewed journal, können aber den Anstoß für neue Publikationen und frühzeitiges fachliches Feedback geben. In der Kommentarfunktion und -möglichkeit liegt damit auch der Vorteil von Blogs gegenüber anderen online Ankündigungsplattformen.

Mareike König berichtet, dass sie aufgrund von Blog-Beiträgen eingeladen wurde, ausführlichere wissenschaftliche Beiträge für referierte Zeitschriften zu verfassen. Auch den schönen Effekt der “stillen Konversation” hat sie erlebt, wenn sie nämlich auf Tagungen von Leserinnen und Lesern angesprochen wird, die ihre Beiträge zwar gelesen, aber nicht öffentlich online kommentiert haben.

Was kommt an im World Wide Web?

Die Lebendigkeit von Blogs profitiert von regelmäßigen und aktuellen Beiträgen und von der Dialogfähigkeit der Autoren. Folglich sind Kommentare zur Sache hochwillkommen. Sie werden uneditiert übernommen, wenn es sich nicht gerade um Werbung handelt à la “toller Beitrag, besuchen Sie doch auch mal meine Website” (die übrigens an dieser Stelle gnadenlos und niemals freigeschaltet wird).

Erfolgreiche Blogs zeichnen sich dadurch aus, dass sie gelesen werden. Klare Thesen, ein angenehmer Schreibstil, Kürze und Würze sind hilfreich. Auch persönliche Ich-Aussagen muss man sich hier, anders als in anderen wissenschaftlichen Genres, nicht verkneifen. Was Decartes fand, gilt insbesondere für die Internetidentität: Ich denke öffentlich, also bin ich. Aber wo bin ich und wie finde ich mich angesichts der online verfügbaren Informationsflut zurecht?

Um deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Orientierung zu erleichtern, betreiben Mareike König und Team inzwischen das Blogportal Hypotheses, dem erfolgreichen französischen Vorbild folgend.

Noch ein letzter Tipp für die Hobby-Archäologen unter uns: Ausgrabungsblogs sind sehr beliebt. Hier lassen sich neue Funde aus prädigitaler Zeit tagesaktuell aufbereiten und publik machen.