— Cultural Sources of Newness

Interpretation in the Arts and in Economics: Exploring the Anglo-German Divide

It is difficult to imagine much sharper contrasts in interpretation than those to be found on contemporary English and German theatre stages: a case of performance and narrative vs. concept and ideas. Is there a link between this divide and the fact that academic economics in England is predominantly empirical while it is theoretical in Germany? If so, where else can we trace such an Anglo-German divide, where does it come from and, crucially, is there anything we can learn from it?

In this two-day interdisciplinary workshop we will trace these differences and try to understand possible connections. We will first focus on operatic theatre and economics, including economic history and policy. We will try to explore similar divides in philosophy, in law and the social sciences, in literature and in the visual arts, both in history and in contemporary practice.

Organized by: Professor Steffen Huck, University College London; Professor Michael Hutter, WZB; Sir Peter Jonas; and Professor Dorothea Kübler, WZB

Thursday, 10. November 2011 – Friday, 11. November 2011

Venue: WZB, Reichpietschufer 50, 10785 Berlin, Raum A 300

 

das geht schon gut los. wenn ich jetzt über den workshop berichte – ist das dann ein comment oder eine bearbeitung? ich habe mich für die bearbeitung entschieden, schließlich war ich ja inwärtiger, nicht auswärtiger beobachter.

am anfang umschrieben die veranstalter ihre intentionen mit ein paar worten (nun, bei sir peter waren’s ein paar worte mehr). i said: i’m interested in the distinction between an anglo and a german culture, and the distinction between the world of opera (schließlich waren 6 opernintendanten dabei) and the arts on one side and the social sciences, including economics, on the other side. das erste referat kam von peter watson, autor von “the german genius”, ein schöner aufriss der deutschen geistesgeschichte seit der reformation. die darauf folgende diskussion war vielleicht der eindrücklichste teil des workshops. wegen thomas machos absage war genug zeit da, um in eine breite diskussion über watsons thesen zu geraten. watson findet, dass der fernhandel den englandinsulanern empirischen respekt gelehrt hat, und dass die großen deutschen geister (a. merkel eingeschlossen) aus pastorenhäusern gekommen sind. er erinnerte an george steiners: the grammmar of creation, das jetzt auf meiner liste steht. macho hatte übrigens statt seiner eine erwartungsgemäß schlaue doktorandin geschickt, jeni fulton, die sich mit zeitgenössischer kunstkritik befasst – also ein neuer faden im netzwerk der projekte.

den nachmittag begann matthias klaes, ein theoriegeschichtlich kenntnisreicher kollege aus keele. er skizzierte eine parallele zur einbindung von keynes in den bloomsbury-freundeskreis in einer (vermuteten) verbindung zwischen jungen, statistisch orientierten ökonomen im berlin der 20er jahre und “bauhaus”-grundsätzen. ich war der offizielle kommentator und habe die story etwas anders entwickelt. beginn war  der gegensatz zwischen dem “narrativen” interesse der wiener (kapital-)theorie und der berliner historischen schule einerseits und den zeitlosen modellen  der allgemeinen (walras) und der marktbezogenen  (marshall) gleichgewichtstheorie andererseits. nach dem 1. weltkrieg setzten sich formale, zeitlos begründete theorien durch. keynes war teil der bewegung, fand aber durch seine besondere kulturelle einbindung zu einer eigenständigen stimme. bortkiewitz und die anderen osteuropäischen mathematiker-ökonomen und deren bezug zur durchaus esoterischen bauhaus-bewegung wäre noch herauszufinden. daraus entwickelte sich eine recht intensive diskussion, in der ernst-wilhelm händler, promovierter ökonom und schriftsteller, von der schönheit des kristallinen modells in gerard debreus ‘theory of value’ (1959) schwärmte. mir selbst wurde erst später klar, dass sich hier die merkmale der ‘anglo-german divide’ in ihr gegenteil verkehren.

anselm heinrich aus glasgow präsentierte eine kühn  zugespitzte vergleichende theatergeschichte, in der die affirmation auf englischen bühnen der disturbance auf deutschen bühnen gegenüber gestellt wurde, die unterhaltung der bildungsanstalt. die diskussion sah das etwas komplizierter. zum tagesschluss lieferten bernd sucher, der literaturkritiker und händler  eigenwillige einschätzungen der zeitgenössischen deutschen literatur beziehungsweise auszüge aus drei amerikanischen novels.

der freitag begann mit dan albright, harvard, der vier opernproduktionen  vorführte, die sich besonders abgefahrener inszenierungen bediehnen, um so irritationen (er sprach von abrasions) auszulösen. die dvd-ausschnitte mit beispielen für  dummies and dolls, für things from outer space und für thematizing creativity – aus opern von debussy, berlioz und poulenc – sind gut im gedächtnis haften geblieben.

dann wurde es diffuser. ein potentiell interessantes gespräch zwischen einem deutschen dramaturgen und dem director der english touring opera wurde von sir peter zermoderiert. das, was pamela rosenberg und tom sutcliffe über die jeweiligen audiences hätten sagen können, kam in den fragen von  moderator lausberg nicht so recht vor. brav waren die selbstbeschreibungen von homoki, komische oper und berry, english national opera. glanzlichter juristischer formulierungskunst und -lust waren die referate von lepsius, bayreuth, und dannemann, hu. danach hatte ich den unterschied zwischen ‘it’s the judge that speaks’ und ‘ it’s the norm that speaks’ besser verstanden. warum sich die rechtssysteme diesseits und jenseits des kanals so entwickelt haben, wäre einer vertiefung wert gewesen, aber da war der zeitplan und die müdigkeit davor. steffen huck lieferte noch visuell apart bestückte thesen zur zeitgenössischen ökonomischen forschung, die mit nur mildem widerspruch durchgingen.

weiß ich mehr über die beiden kultur-bruchlinien?  ja, in bruchstücken. vielleicht fügt sich noch das eine oder das andere. jedenfalls scheinen die teilnehmer die exotische anwesenheit von menschen aus anderen netzwerken genossen zu haben. genossen haben sie auch unsere locations: der white trash club bei der ankunft (brit, low-culture), lochner’s am lützowplatz (german, hi-culture) und hackescher hof (local culture).

ja, das wär’s so, für’s erste.

 

 

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